Unsere Mitglieder stellen sich vor: Handtmann

Dr. Michael Betz, Handtmann

Der Handtmann Unternehmensbereich Füll- und Portioniersysteme (FuP) ist Teil der inhabergeführten Handtmann Unternehmensgruppe mit Sitz im süddeutschen Biberach. Er ist ein führender Hersteller von Prozesstechnik zur Verarbeitung von Lebensmitteln und bietet modulare und prozessübergreifende Linienlösungen von der Produktvorbereitung bis zur Verpackungslösung. Flankiert wird das Angebot von inhouse entwickelten, prozessunterstützenden Digitalen Lösungen. Parallel wird in nachhaltige Konzepte für Food Innovation investiert. Dazu zählen auch die hochmodernen Technologie- und Kundenzentren am Unternehmenssitz. Die Handtmann Gruppe beschäftigt weltweit etwa 4.100 Mitarbeiter, davon FuP ca. 1.200. Mit zahlreichen Tochtergesellschaften und Vertriebs- und Servicepartnern ist das Unternehmen global in über 100 Ländern vor Ort vertreten und zusätzlich über strategische Partnerschaften flächendeckend vernetzt.

Wie setzt sich Ihr Unternehmen für die Förderung Alternativer Proteinquellen ein?
Handtmann ermöglicht mit seinen Prozess- und Linienlösungen die effiziente Herstellung von Lebensmitteln auf Basis Alternativer Proteinquellen. Außerdem teilen wir unser technologisches Know-How zur Herstellung dieser Produkte in Vorträgen auf Events, wie z.B. Messen, und in Form von Publikationen, wie z.B Whitepapers. So wollen wir aktiv Möglichkeiten zur Produktion nachhaltiger Lebensmittel für die Ernährung der Zukunft aufzeigen.

Was motiviert Sie hierzu?
Handtmann hat seit jeher das Ziel, Trends und Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und in innovative Prozesslösungen zur Lebensmittelverarbeitung zu übersetzen. Nur so können wir den Anforderungen unserer Kunden gerecht werden und Trends proaktiv mitgestalten. Das gilt natürlich auch für Alternative Proteinquellen. Ein gutes Beispiel für unsere Innovationstätigkeit ist der von Handtmann entwickelte Prozess für veganes Sashimi. Dieser hat die effiziente Produktion des weiß gestreiften Produkts, welches rohen Fisch imitiert, überhaupt erst möglich gemacht.

Wie planen Sie, dieses Engagement künftig auszubauen?
Unser Fokus liegt klar auf der Entwicklung von innovativen Prozess- und Linienlösungen, die zukünftigen Anforderungen entsprechen und die unseren Kunden Produktinnovationen ermöglichen. In diesem Zusammenhang bauen wir unser Know-How und Netzwerk im Bereich der Alternativen Proteine stetig aus und kooperieren mit Firmen in den Bereichen Technik und Ingredients sowie mit Forschungseinrichtungen, Verbänden und Marktpartnern.

Wie reagieren Verbraucher auf Ihre Produkte?
Unsere Kunden wissen unsere Aktivitäten, unsere Prozesslösungen und unser Know-How im Bereich Alternativer Proteinquellen sehr zu schätzen, da sie davon profitieren. Wir sehen uns als Partner und Begleiter auf dem kompletten Weg von der Produktidee bis hin zur Lösung und unterstützen unsere Kunden dabei sowohl mit Prozesskompetenz als auch mit technologischer Expertise sowie mit unserem Netzwerk an Partnern.

Welche Alternativen Proteinquellen halten Sie im Hinblick auf eine nachhaltige, wirtschaftlich effiziente Agrar- und Ernährungswende für besonders vielversprechend?
Plant-based ist bereits sehr verbreitet, erfreut sich guter Akzeptanz und ist sehr vielversprechend. Die Funktionalität pflanzlicher Rohstoffe ist riesig und bietet viel Potenzial für Produkt- und Prozessinnovationen. Die Sensorik der Produkte wird kontinuierlich verbessert und die Preise werden weiter sinken. Weiterhin kommen immer mehr Produkte aus Fermentationsprozessen auf den Markt. Diese Technologien werden in den nächsten Jahren sicher ebenfalls stark an Bedeutung gewinnen. Vor allem Precision Fermentation bietet technologisch vielfältige Möglichkeiten, vorausgesetzt, die gesetzlichen Rahmenbedingungen stimmen. Gleiches gilt für die Herstellung von kultiviertem Fleisch. Dadurch, dass der Bedarf an alternativem Protein so groß und vielschichtig ist, werden alle Alternativen Proteinquellen, auch Insekten, eine tragende Rolle spielen.

Was genau wäre zur effizienteren politischen Förderung Alternativer Proteinquellen Ihrer Meinung nach nötig?
Kurzfristig müssen die sensorische Qualität und der Preis der Lebensmittel auf Basis Alternativer Proteinquellen weiter optimiert werden, um die Konsumenten zu überzeugen. Qualität rauf, Preis runter. Politische Förderung in diese beiden Richtungen, z.B. über Forschungsgelder und steuerliche Anreize, wären zielführend. Längerfristig müssen die passenden regulatorischen Rahmenbedingungen in Bezug auf neue Technologien wie Cultivated Meat und Precision Fermentation geschaffen werden. Molecular Farming steht ja ebenfalls in den Startlöchern.

Wie sieht Ihrer Meinung nach die Ernährung der Zukunft aus?
Genauso vielfältig wie die Alternativen Proteinquellen sind, wird auch die Ernährung der Zukunft aufgebaut sein. In Zukunft werden wir Lebensmittel auf der Grundlage von fermentiertem, kultiviertem, pflanzlichem sowie tierischem Protein einzeln oder in Kombination verzehren. Es wird hier nicht um ein „entweder, oder“ gehen, sondern um die richtige, individuelle Mischung. Eine absolute Bereicherung des Speiseplans!

Wie werden sich diese Entwicklungen auf die Landwirtschaft und die Lebensmittelproduktion auswirken?
Eine Ernährungswende dieser Art löst zwangsläufig grundlegende Veränderungen der gesamten Wertschöpfungskette aus. Wir können uns vorstellen, dass die Vielfalt an unterschiedlichen Technologien, die hinter den Alternativen Proteinen stehen, auch zu neuen Geschäftsmodellen in der Landwirtschaft und bei den Lebensmittelproduzenten führen wird.

Warum sind Sie BALPro-Mitglied geworden?
BALPro bietet eine tolle Plattform für den Austausch, die Vernetzung und den Dialog mit Akteuren im Bereich der Alternativen Proteine. Das ist eine ideale Grundlage für Partnerschaften und Kooperationen, um das Thema Alternative Proteine weiter voranzutreiben.

Was hoffen Sie, zukünftig gemeinsam mit BALPro zu erreichen?
Wir bei Handtmann freuen uns, über BalPro an einem aktiven und starken Netzwerk beteiligt zu sein. Gern tragen wir zum Ausbau dieses Netzwerks und den Aktivitäten bei und hoffen in der Zukunft auf genauso interessante Kooperationen und offenen Austausch wie bisher.

 

 

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