Ein mögliches EU-weites Bezeichnungsverbot für Fleischersatzprodukte wie „vegane Wurst“ oder „pflanzlicher Burger“ hätte für Hersteller und andere Akteure aus der Branche weitreichende wirtschaftliche Konsequenzen, die in der bisherigen Debatte noch nicht diskutiert oder beziffert wurden. Was auf den ersten Blick nach einer rein sprachlichen Anpassung klingt, würde in der Praxis erhebliche Kosten, Umsatzeinbußen und strukturelle Risiken mit sich bringen.
Basierend auf internen Berechnungen und dem Input vieler potenziell betroffener Unternehmen läge der finanzielle Schaden in einer Größenordnung von 250 Millionen Euro. Diese Kosten ergeben sich größtenteils aus den folgenden Bereichen, wobei hier rechtliche und bisher noch nicht absehbare Kosten nicht mit eingerechnet sind.
Direkte Kosten: Verpackung, Vernichtung und Marketing
Eine unmittelbare finanzielle Belastung entstünde durch Verpackungskosten. Nahezu alle betroffenen Produkte müssten neu gestaltet, rechtlich geprüft und gedruckt werden. Bereits produzierte Verpackungen dürften nicht mehr verwendet werden und müssten vernichtet werden. Hinzu kämen bereits ausgelieferte Produkte. Diese Vernichtungskosten sind nicht nur finanziell, sondern auch ökologisch problematisch.
Ein weiterer erheblicher Kostenpunkt entsteht durch notwendiges neues Marketing: Marken, die über Jahre hinweg aufgebaut wurden, müssten neu erklärt und positioniert werden. Rebranding-Kampagnen, neue Kommunikationsstrategien und der zusätzliche Aufwand im Handel verursachen weitere hohe finanzielle und ressourcenintensive Belastungen.
Versteckte Kosten: Umsatzverluste und Unsicherheit
Besonders gravierend sind die Opportunitätskosten. Wenn etablierte Begriffe wegfallen, verlieren Produkte ihre klare Einordnung. Für Neukunden würden die Einstiegshürden steigen und die Produktkategorie als solche an Wiedererkennungswert verlieren.
Die Folge wären entgangene Umsätze, geringere Abverkäufe und ein verlangsamtes Marktwachstum.
Strategisches Risiko für ganze Geschäftsmodelle
Für zahlreiche Hersteller machen die betroffenen Produkte einen erheblichen Teil des Umsatzes von oft 50 % bis teilweise 100 % aus. Ein Bezeichnungsverbot würde damit nicht nur einzelne Produkte, sondern ganze Geschäftsmodelle unter Druck setzen. Die vollständige Umsetzung aller notwendigen Anpassungen würde zudem mehrere Monate bis über ein Jahr in Anspruch nehmen, in denen Planungssicherheit fehlt und Investitionen zurückgestellt werden.
Fazit
Ein EU-Bezeichnungsverbot für Fleischersatzprodukte wäre kein kosmetischer Eingriff, sondern ein tiefgreifender wirtschaftlicher Einschnitt. Es würde Gesamtkosten in Höhe von 250 Millionen Euro entlang der gesamten Wertschöpfungskette verursachen, Innovation bremsen und insbesondere junge, wachstumsorientierte Unternehmen stark belasten. Die Debatte um Begriffe ist daher nicht nur eine rechtliche oder sprachliche Frage, sondern eine mit erheblichen ökonomischen Folgen für eine zukunftsorientierte Branche.
Die Bundesregierung hat es sich zur Aufgabe gemacht, Deutschland als internationalen Wirtschaftsstandort zu stärken, ein Vorhaben, was wir als Wirtschaftsverband ausdrücklich unterstützen. Gerade unter diesem Gesichtspunkt ist es jedoch nicht vertretbar, einen derartigen Eingriff in den Markt ohne ausreichende Folgenabschätzung in Betracht zu ziehen. Wir fordern die Bundesregierung daher mit Nachdruck auf, sich auf europäischer Ebene für eine faktenbasierte Verhandlung des Bezeichnungsverbots einzusetzen, bei der besonders die Auswirkungen auf Wirtschaft und Industrie mitbedacht werden.
Public Affairs Officer
William Trautmann
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