Beim politischen Frühstück dabei von links: Ronja Berthold (BALPro Vorständin, Oatly), Fabio Ziemßen (BALPro Vorstandsvorsitzender), Mailin Zanke (BALPro), Jannik Riedler (ProVeg Deutschland), Claudia Hauschild (BALPro stellvertrende Vorstandsvorsitzende, Rügenwalder Mühle), Simon Handschuh (ProVeg Deutschland), Eileen Pauels (GFI Europe), Dr. Stacy Pyett (Wageningen University & Research), Rick Fischer (GFI Europe), Dr. Sarah Iweala (Universität Göttingen), William Trautmann (BALPro) und Ivo Rzegotta (GFI Europe) (Bild: Astrid Behrendt Photography)
Beim fünften Politischen Frühstück, organisiert von BALPro, ProVeg International und dem Good Food Institute Europe wurde deutlich, wie stark der Fortschritt im Ernährungssystem von der Zusammenarbeit zwischen Forschung, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft abhängt. Im Mittelpunkt der zweiten Veranstaltung 2025 stand die Frage, wie ein innovationsfreundliches Umfeld in Deutschland geschaffen werden kann. Dabei war schnell klar: Alternative Proteine bleiben ein zentrales Zukunftsthema.
Wissenschaftliche Perspektiven: Kooperation als Schlüssel
Dr. Stacy Pyett, Program Manager Proteins for Life bei der Wageningen University & Research, demonstrierte eindrucksvoll, wie ein funktionierendes “Innovationsökosystem” aussehen kann. Der enge Verbund der Universität mit der Wirtschaft ermöglicht eine direkte Verzahnung von Forschung und Anwendung. Vernetzung ist dabei keine Ergänzung, sondern eine Grundlage für den Erfolg der Innovation.
Die Forschung zu den Potenzialen alternativer Proteine in Wageningen ist breit angelegt und reicht von Initiativen zu pflanzlichen Proteinen über Mikroalgen und Präzisionsfermentation mit Mikroorganismen bis hin zu kultiviertem Fleisch. Die Region, in der die Universität Wageningen angesiedelt ist, ist als Foodvalley Netherlands bekannt. Hier sind neben verschiedenen Forschungseinrichtungen auch multinationale Lebensmittelkonzerne angesiedelt, was den Wissentransfer und die Kooperation zwischen Forschung und Wirtschaft enorm erleichtert.
Praxis trifft Politik: Rügenwalder Mühle macht Handlungsdruck sichtbar
Patrick Bühr, Head of Research and Development bei der Rügenwalder Mühle, eröffnete seine Keynote mit der Frage, ob wir es uns leisten können, nicht in alternative Proteine zu investieren. Er verwies auf zentrale Herausforderungen wie Treibhausgasemissionen und mangelnde Ballaststoffzufuhr. Sein Plädoyer: mehr Vielfalt auf dem Teller und ein inklusives Ernährungsverständnis.
Rügenwalder setzt auf tierische, vegetarische und vegane Produkte gleichermaßen und fordert eine stärkere politische Unterstützung für die Entwicklung des deutschen Standorts. Die Sojabohnenverarbeitung für ihre Produkte findet ausschließlich in den Niederlanden statt, da es in Deutschland keine entsprechenden Anbieter gibt. Dies verdeutlicht, wie wichtig die Standortentwicklung ist.
Claudia Hauschild, BALPro-Vorständin und Head of Corporate Communications and Sustainability Management (Rügenwalder Mühle), erinnerte zudem an die laufende Debatte zum Bezeichnungsschutz, die auf EU-Ebene weiterhin für Unsicherheit sorgt. Zwar hat Deutschland sich nun gegen ein Verbot ausgesprochen, jedoch sind die Mehrheitsverhältnisse auf europäischer Ebene weiterhin unklar.
Claudia Hauschild erinnert an die EU-Kennzeichnungsschutz Debatte. Sie ist BALPro Vorständin, Leiterin der AG Alternative Meat und Head of Corporate Communications and Sustainability Management bei der Rügenwalder Mühle (Bild: Astrid Behrendt Photography)
Wissenschaftliche Impulse: Das WBAE-Gutachten
Dr. Sarah Iweala, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Göttingen, präsentierte zentrale Ergebnisse des Gutachtens vom Wissenschaftlichen Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz (WBAE) des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH), in dem klarer politischer Handlungsbedarf formuliert wird. Vor allem strukturelle Nachteile biotechnologischer Verfahren, hohe Einstiegskosten, regulatorische Unsicherheiten und Lücken im Innovationssystem in Deutschland standen im Fokus.
Zudem stehe der Bereich alternative Proteine im Spannungsfeld gesellschaftlicher Erwartungen, von Skepsis gegenüber hochprozessierter Verarbeitung bis hin zu Befürchtungen bei Akteuren in der Nutztierhaltung, die teilweise mit Verdrängungsnarrativen argumentieren. Der Beirat empfiehlt daher ein breites Maßnahmenpaket und mehr Forschungsförderung.
Nationale Entwicklungen und europäische Einordnung
Eileen Pauels (Scientific Community Coordinator) und Rick Fischer (Public Affairs Manager) vom Good Food Institute Europe zeigten, dass die Forschung zu alternativen Proteinen in Europa stark wächst, Deutschland aber im internationalen Vergleich an Boden verliert. Trotz hoher Publikationszahlen mangelt es an strategischer Förderung.
Fischer hob hervor, dass der geringe Anteil öffentlicher Fördermittel zu starker Abhängigkeit von Venture Capital und begrenztem Wissenstransfer führe, was die Entwicklung bremse.
Fazit
Das zweite Politische Frühstück machte erneut deutlich, dass alternative Proteine große Chancen bieten. Entscheidend ist ein Umfeld, das Innovation ermöglicht und den Transfer von Forschung in die Praxis stärkt. Wir als BALPro setzen uns dafür ein, dass die Politik ein solches Umfeld in Deutschland schafft. Nur so kann die Branche der alternativen Proteine ihr volles Potential entfalten und Deutschland als globalen Vordenker positionieren.
Kontakt BALPro
William Trautmann
Public Affairs Officer
wt@balpro.de