Als spezialisierter Teil der traditionsreichen Jäckering Gruppe verbindet die Altenburger Maschinen Jäckering GmbH über 100 Jahre Erfahrung mit modernster Mahl- und Trocknungstechnologie. Das Unternehmen hat sich mit Fokus auf die Hochfeinstmahlung – insbesondere durch den weltweit bewährten Ultra-Rotor – als führender Partner für Branchen von der Lebensmittelindustrie bis hin zum High-Tech-Recycling etabliert. Durch die enge Verzahnung innerhalb der Unternehmensgruppe und die kontinuierliche Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen entwickelt Altenburger Maschinen Lösungen, die technologische Spitzenleistung mit den Anforderungen einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft vereinen.

Magst du uns zum Einstieg einen kurzen Überblick über die Kernkompetenzen von Altenburger Maschinen geben und erklären, welche Rolle ihr innerhalb der Jäckering-Gruppe spielt?

Unsere Kernkompetenz liegt in der Entwicklung hochspezialisierter Luftwirbelmühlen, dem sogenannten Ultra-Rotor. Diese Technologie ermöglicht die Feinstzerkleinerung und die simultane Mahltrocknung von Stoffen. Wir bieten keine Standardlösungen von der Stange, sondern erarbeiten individuelle Konzepte für die spezifischen Bedarfe unserer Kunden.

Die Wurzeln liegen in unserer Schwestergesellschaft, den Jäckering Mühlen- und Nährmittelwerken. Als Produzent von Weizenstärke und Weizenprotein suchte man dort in den 1950er-Jahren nach einer kompakteren Technologie zur Verarbeitung. Anstatt umfangreicher Mahlstufen und Sichtungstechnik wollten wir ein System mit geringem Platzbedarf und Wartungsaufwand. Daraus entstand der Ultra-Rotor. Er wurde speziell entwickelt, um anspruchsvolle, klebrige Produkte wie Kleberprotein simultan zu mahlen und zu trocknen – eine damalige Weltneuheit. Heute agieren wir als eigenständiges Unternehmen für Kunden weltweit.

Der Ultra-Rotor ist eine bewährte Technologie. Gibt es aktuell spezifische technologische Neuerungen oder Trends, auf die ihr reagiert? 

Das Grundprinzip ist bewährt, aber wir interpretieren die Maschine für jedes Projekt neu. Heute sind wir in den unterschiedlichsten Bereichen unterwegs – von Lebensmitteln über Mineralien und Metalle bis hin zu Chemie- und Pharmaprodukten. Jedes Produkt hat ganz eigene Anforderungen: Bei tierischen Proteinen müssen wir extrem auf die Temperatursensibilität achten, während bei Mineralien Themen wie Verschleißbeständigkeit und eine exakte Partikelgrößenverteilung im Vordergrund stehen.

In unserem Technikum in Hamm führen wir Versuche mit Originalmaterialien durch. Wir liefern nicht nur die Maschine, sondern die gesamte Verfahrenstechnik – vom Ventilator bis zur Heizquelle. In Zeiten von Energieknappheit fließen zudem Aspekte wie Energieeffizienz und Nachhaltigkeit massiv in unsere Neuentwicklungen ein. Streng genommen erfinden wir den Ultra-Rotor für jeden Kunden neu.

Auf dem Foto sieht man getrocknete Mehlwürmer – vor und nach dem Mahlvorgang

Insektenprotein vor und nach der Mahlung bei Altenburger Maschinen
Copyright: Altenburger Maschinen Jäckering GmbH

Stichwort Nachhaltigkeit: Wie schätzt du eure Rolle als Technologiepartner für eine zukunftsorientierte, ressourcenschonende Lebensmittelwirtschaft ein?

Wir sind überzeugt, dass wir einen wertvollen Beitrag leisten können, indem wir die Wertschöpfung von Nebenströmen erhöhen. Materialien, die bisher oft in die Futtermittelindustrie gingen, können durch den Ultra-Rotor zu hochwertigen Lebensmittelzutaten veredelt werden. Beispiele hierfür sind Pflanzenproteine für Fleischersatz oder die Aufarbeitung von Biertreber und Fruchttrestern. Wir machen aus Reststoffen lagerstabile Rohstoffe für die menschliche Ernährung.

Der Ultra-Rotor verwandelt Nebenströme in Werte:

Wir machen aus Reststoffen lagerstabile Rohstoffe für die menschliche Ernährung.”

In welchen Märkten und Regionen siehst du aktuell das größte Wachstumspotenzial für diese Form der Veredelung?

Wir sind global aufgestellt. Ein wesentlicher Kernbereich ist die Chemie, insbesondere die Verarbeitung von Methylcellulose für die Bau-, Pharma- oder Kosmetikindustrie. Das Material ist aufgrund seiner Eigenschaften schwer zu verarbeiten und damit prädestiniert für unsere Technologie.

Der zweite große Wachstumsmarkt ist die Lebensmittelproduktion, speziell die Proteinverarbeitung. Ob tierische Proteine (Schwein, Rind, Fisch) oder pflanzliche Quellen – die Nachfrage ist enorm. Der Ultra-Rotor bietet hier den Vorteil sehr kurzer Verweilzeiten. Durch die Wasserverdampfung entsteht ein Kühleffekt, wodurch die Proteine thermisch kaum belastet werden und nicht denaturieren. Zudem ist unser System deutlich kompakter als etwa klassische Sprühtrockner.

Die Skalierung neuer Proteinquellen ist eine große Herausforderung. Kannst du uns ein Projekt nennen, das die Leistungsfähigkeit eurer Technologie besonders verdeutlicht?

Ein Highlight war ein Großprojekt in Frankreich zur Verarbeitung von Insektenproteinen im industriellen Maßstab. Wir haben dort eine Anlage vom Typ Ultra-Rotor 7000 installiert, die bis zu 3,5 Tonnen Wasser pro Stunde verdampfen kann. Es ist beeindruckend zu sehen, wie aus Insekten über einen Dekanter und unsere Mahltrocknung ein hochwertiges Proteinmehl entsteht. Wir begleiten unsere Kunden dabei von der ersten Produktentwicklung bis zur Inbetriebnahme und dem After-Sales-Service.

Viele Unternehmen scheuen das Risiko hoher Investitionen bei neuen Prozessen. Wie unterstützt ihr eure Partner dabei, den Schritt von der Theorie in die Praxis zu wagen?

Offen gestanden sehen wir bei der Skalierung kaum Grenzen. Unser Portfolio reicht von Kleinstanlagen für 20 kg Wasserverdampfung pro Stunde bis hin zu Spezialmaschinen, die 10 Tonnen schaffen.

Eine besondere Lösung für die Entwicklung ist unsere mobile Containeranlage. Viele Lebensmittelprozesse liefern frische, leicht verderbliche Rohstoffe. Der Transportweg ins Technikum würde die Eigenschaften oft schon verändern. Mit dem Container liefern wir eine Plug-and-Play-Lösung direkt zum Kunden vor Ort. So können live aus dem Prozess heraus Marktproben erzeugt werden, bevor man in eine Großanlage investiert.

Auf dem Foto sieht man einen Ultra-Rotor, Copyright: Altenburger Maschinen Jäckering GmbH

Ultrarotor

Innovation braucht oft einen wissenschaftlichen Überbau. Wie intensiv arbeitet ihr mit Forschungseinrichtungen zusammen, um die Grenzen der Mahltrocknung weiter zu verschieben?

Der Austausch mit Hochschulen sowie führenden Forschungseinrichtungen ist für uns seit vielen Jahrzehnten essenziell. Diese gewachsenen Kooperationen ermöglichen es uns, wissenschaftliche Erkenntnisse direkt in die industrielle Anwendung zu überführen.

Aktuell wirken wir an zwei zukunftsweisenden Förderprojekten mit, die unsere technologische Expertise unterstreichen:

  • Ressourceneffizienz und Verschleißschutz: Gemeinsam mit Forschungspartnern entwickeln wir innovative Lösungen zur Aufarbeitung von Mahlwerkzeugen. Durch spezielle Verfahren erhöhen wir die Standzeiten der Technik massiv und ermöglichen die Wiederaufarbeitung verschlissener Komponenten. Das schont wertvolle Ressourcen und erweitert unser Spektrum bei der Verarbeitung extrem harter Rohstoffe.

  • Upcycling von industriellen Reststoffen: In einem weiteren Kooperationsprojekt widmen wir uns der stofflichen Verwertung von organischen Reststoffen aus der Lebensmittelproduktion. Ziel ist die Transformation dieser Stoffe in hochwertige Industrierohstoffe, etwa für die Biokunststoffbranche. Unser Ultra-Rotor übernimmt dabei die entscheidende Hochfeinstmahlung und Trocknung, um aus Nebenprodukten einen wertvollen Ausgangsstoff für neue Wertschöpfungsketten zu machen.

Fazit

Das Beispiel von Altenburger Maschinen zeigt eindrucksvoll, dass die Antwort auf die großen Fragen der Ernährungswende und der Kreislaufwirtschaft oft in der Ingenieurskunst des Mittelstands liegt. Der Ultra-Rotor ist mehr als nur eine Mühle; er ist ein Enabler für neue Wertschöpfungsketten.

Ob es darum geht, aus bisherigen Nebenströmen wie Fruchttrestern hochwertige Lebensmittelzutaten zu gewinnen oder aus Eierschalen innovative Biokunststoffe zu entwickeln – es sind diese „Hidden Champions“, die den Wirtschaftsstandort Deutschland international wettbewerbsfähig halten. Für uns als Verband unterstreicht dieses Interview einmal mehr: Innovation benötigt nicht nur kluge Köpfe und technologischen Mut, sondern auch verlässliche politische Rahmenbedingungen und Plattformen für den fachlichen Austausch.

Wir danken für diese tiefen Einblicke in eine Technologie, die das Potenzial hat, unsere Lebensmittelproduktion nachhaltig effizienter zu gestalten.

Pressekontakt 
Mailin Zanke
Communication Officer BALPro e. V.
dialog@balpro.de
Tel. 0176 75740057

Bundesverband für Alternative Proteinquellen e. V.
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