September 2026: Zwischen wachsender Ambition und praktischer Umsetzung
Ich habe im September öfter das Gefühl gehabt, dass wir als Branche gerade in zwei Geschwindigkeiten gleichzeitig arbeiten. Auf der einen Seite werden die politischen und wirtschaftlichen Forderungen präziser und lauter. Auf der anderen Seite zeigt sich immer deutlicher, wer diesen Anspruch tatsächlich einlösen kann – und wer nicht.
Ich beschäftige mich seit nun vielen Jahren mit Food Innovationen – auf Unternehmensseite, mit Start-ups, aus Investorensicht und auch als Vorstandsvorsitzender von BALPro.
Zwei Beobachtungen aus dem September haben mich dabei besonders beschäftigt.
1. Klare Positionierung wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor
Erfolgsbeispiele des Monats (z.B. David’s Protein/Medici mit 250 Mio. $ Funding, Daring’s Skillet-Meals) haben eines gemeinsam: eine klare, konsumentenzentrierte Funktionslogik – Makros, Convenience, oder eine kurze Zutatenliste. Beyond Meat dagegen, mit einer neuen Proteinpulver-Linie ohne erkennbaren roten Faden zum Kerngeschäft, und NotCo, das sich von eigener Produktion zugunsten von KI-Lizenzierung zurückzieht, zeigen das Gegenteil: Unternehmen, die zwischen Kategorien springen, statt eine Position konsequent zu besetzen. Die Frage “wo entsteht der Wert” wird zunehmend mit “dort, wo ein Unternehmen weiß, wofür es steht” beantwortet.
2. Regulatorische Kohärenz gewinnt für Europas Wettbewerbsfähigkeit an Bedeutung
Die laufende Neuverhandlung des Sanitary-and-Phytosanitary-Abkommens zwischen UK und EU könnte dazu führen, dass Unternehmen für kultiviertes Fleisch künftig zusätzlich das EU-Novel-Food-Verfahren durchlaufen müssen, um in Großbritannien verkaufen zu dürfen. Selbst wenn das Abkommen den Warenverkehr eigentlich erleichtern soll.
Im August ging es an dieser Stelle noch um die Frage, ob ein Produkt “Wurst” heißen darf. Im September zeigt sich: Das ist nur ein Symptom eines größeren Problems. Immer dort, wo einzelne Märkte eigene regulatorische Wege gehen, entstehen für Unternehmen zusätzliche Hürden, die mit der eigentlichen Produktqualität nichts zu tun haben. Wer über europäische Wettbewerbsfähigkeit spricht, muss auch über regulatorische Kohärenz sprechen. Nicht nur zwischen EU-Mitgliedstaaten, sondern auch an deren Außengrenzen.
Mein Fazit für September
Der Sektor bewegt sich weiter in Richtung Industrie.
Aber die Rahmenbedingungen bewegen sich nicht im gleichen Tempo mit. Politische Ambition, wirtschaftliche Selektion und regulatorische Fragmentierung sind im September alle gleichzeitig sichtbar geworden, und sie hängen enger zusammen, als es auf den ersten Blick scheint: Wenn Marken ihre Substanz verlieren, und wenn Regulierung zwischen Märkten nicht zusammenpasst, trifft das am Ende genau die Unternehmen, die eigentlich die nächste Phase dieser Industrie tragen sollen.