Bild: Geschäftsleitung Mönsheimer Mühle mit der neuen Hülsenfruchtanlage

Die Mönsheimer Mühle blickt auf eine Geschichte seit 1890 zurück. Nun setzt das Familienunternehmen in der 6. Generation ein starkes Zeichen für die Entwicklung des Sektors: den Einstieg in die Verarbeitung von Leguminosen mittels modernster Windsichtung. Wir haben uns mit der Geschäftsleitung darüber unterhalten, wie sie müllerisches Erbe mit moderner Pflanzentechnologie verknüpfen.

Warum ist gerade jetzt der richtige Zeitpunkt für den Einstieg in die Verarbeitung von Leguminosen?

Dieser Schritt ist das Ergebnis einer bewussten strategischen Weichenstellung. Der klassische Bäckereimarkt befindet sich in einem deutlichen Strukturwandel, der traditionelle Geschäftsmodelle unter Druck setzt. Für uns bedeutet das: Wir müssen uns breiter aufstellen und differenzieren. Ein entscheidender Impuls kam dabei aus der nächsten Generation der Familie. Ihr Interesse an pflanzlichen Proteinalternativen und einer klimaschonenden Ernährung hat uns darin bestärkt, frühzeitig eine Vorreiterrolle einzunehmen. Wir sind überzeugt vom Potenzial der Leguminosen und möchten den Markteintritt in diesem Bereich aktiv mitgestalten.

Inwiefern hilft die neue Anlage dabei, die Mönsheimer Mühle krisenfest für die Zukunft aufzustellen?

Die neue Anlage ist unser Tor zur Lebensmittelindustrie. Bisher waren wir stark von Bäckereien als Hauptabnehmer abhängig. Durch die Verarbeitung von Hülsenfrüchten erweitern wir unser Portfolio und erschließen völlig neue Geschäftsfelder. Diese Diversifizierung macht uns unabhängiger von Marktschwankungen im Getreidesektor. Wir bieten unseren Kunden nun nicht mehr nur Mehl, sondern zukunftsorientierte Lösungen für eine moderne Ernährung an, was unsere Relevanz am Markt langfristig sichert.

Ihr setzt auf die Windsichtung zur Proteingewinnung – was sind die spezifischen Vorteile dieses physikalischen Prozesses gegenüber der chemischen Extraktion?

Die Windsichtung ist ein mechanisches, besonders schonendes Verfahren, bei dem die Inhaltsstoffe allein durch Luftstrom und Fliehkraft getrennt werden. Im Vergleich zu nasschemischen Extraktionsverfahren ist dieser Prozess nicht nur energieeffizienter, sondern kommt völlig ohne Chemie und Wasser aus. Das macht die Herstellung kostengünstiger und ökologisch nachhaltiger.

Ein wesentlicher Qualitätsvorteil ist, dass die Produkte „nativ“ bleiben. Das bedeutet, dass die natürliche Struktur und die funktionellen Eigenschaften der Proteine – wie das Wasserbindevermögen und das Quellverhalten – weitgehend erhalten bleiben. In der Lebensmittelindustrie ist das ein entscheidendes Argument, da diese nativen Konzentrate oft bessere Ergebnisse in der Texturierung und Weiterverarbeitung liefern als hochverarbeitete Isolate. Zudem sorgt der geringere Energieeinsatz für einen deutlich kleineren CO₂-Footprint des Endprodukts.

Bild: Moritz Mönch mit Hülsenfruchtproteinen

Welche Vorteile bieten die Bio-Zertifizierung der Anlage und die Möglichkeit, Kleinstmengen zu verarbeiten? 

Hohe Flexibilität ist unser Alleinstellungsmerkmal. Die Bio-Zertifizierung erfordert extrem hohe Standards bei der Reinigung und Prozesssicherheit, um Produktverschleppungen zwischen verschiedenen Rohstoffen oder Qualitäten zuverlässig zu vermeiden.

Davon profitieren besonders innovative Start-ups und spezialisierte Hersteller. Sie stehen oft vor der Herausforderung, dass große Industrieanlagen nur riesige Chargen verarbeiten. Bei uns können sie mit kleinen Mengen starten, Markttests durchführen und ihre Produkte schrittweise entwickeln. Wir garantieren dabei absolute Sortenreinheit und lückenlose Rückverfolgbarkeit bis zum Landwirt. Diese Transparenz und die Fähigkeit, individuell auf Feinjustierungen in der Mahlung oder Mischung einzugehen, ist für Nischenanbieter und High-End-Produkte essenziell.

Wie sieht die Schnittstelle zu den Landwirten und der eigenen Produktentwicklung aus?

Wir verstehen uns als Bindeglied in der Wertschöpfungskette. Landwirten bieten wir eine attraktive Alternative zum konventionellen Getreideanbau. Indem wir Hülsenfrüchte als Lebensmittel statt nur als Futtermittel vermarkten, erzielen wir eine höhere Wertschöpfung, die wir an unsere Partner weitergeben. Zudem haben Leguminosen einen enormen agronomischen Wert: Sie reichern Stickstoff im Boden an, was die Qualität der Folgefrüchte verbessert – ein echter Win-win für Boden und Betrieb.

Auf der Kundenseite endet unsere Arbeit nicht beim Verkauf des Konzentrats. Mit unserem hauseigenen Labor, der Versuchsküche und umfassendem Anwendungs-Know-how begleiten wir Kunden aktiv bei der Entwicklung marktreifer Produkte. Wir bringen über 130 Jahre müllerische Erfahrung im Umgang mit Maschinen und Rohstoffen ein und kombinieren sie mit moderner Pflanzentechnologie, um effiziente Lösungen von der Pilotküche bis zum Massenmarkt zu schaffen.

Pressekontakt 
Mailin Zanke
Communication Officer BALPro e. V.
dialog@balpro.de
Tel. 0176 75740057

Bundesverband für Alternative Proteinquellen e. V.
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